Philosophisches Café der Soroptimistinnen

Philosophisches Café der Soroptimistinnen Düsseldorf-Karlstadt am 26.06.2013, 20 – 22 Uhr

Ort: Industrieclub Düsseldorf

Moderation und Bericht: Prof. Dr. Josef Fellsches

 

Zeit

 


Schon die Vielfalt der Themenvorschläge war für die Teilnehmerinnen ein beeindruckender Ertrag: Frauenquote – Können wir Frauen Vorbild für unsere Töchter sein? – Zeit – Überbevölkerung zu wenig auf der Agenda – Mensch und Geschwindigkeit – „Die Informationsgesellschaft lässt uns keine Zeit zu denken.“ – Was macht unser Leben sinnhaft? – Digitale Demenz – Ewigkeit. Hat die Zerstörung dieses (Glaubens-) Begriffs eine Wirkung auf unsere Zeit? – Warum engagiere ich mich in einem Service-Club?

Der Moderator begründete die Wahl des Themas „Zeit“ damit, dass es fundamental sei, in der These von der Informationsgesellschaft vorkomme und auch in der Gewinnung eines Begriffs Ewigkeit bedeutsam sein könnte.

Der eröffnende Beitrag der Themengeberin enthielt bereits eine Reihe von Wegweisern: das Augustinuswort zur Frage, was Zeit sei – „Wenn ich nicht gefragt werde, weiß ich es, wenn ich gefragt werde, weiß ich es nicht.“ – deutete auf zwei Verhältnisse des Menschen zur Zeit. Die (Zeitwörter) Vergangenheit und Zukunft seien in den menschlichen Vermögen der Erinnerung und Erwartung gegenwärtig. Verhältnisse zur Zeit seien auch kulturell bedingt und folglich unterschiedlich.

Weitere Beispiele aus ersten Gedanken waren: Zeit haben; sich Zeit nehmen; sich beeilen; Pünktlichkeit; Zeit sei gerecht verteilt, jeder habe 24 Stunden am Tag; Zeit und Uhr; das Jetzt (als Zeitform); es gebe eine gemessene Zeit und eine empfundene oder gefühlte Zeit, eine gefüllte und ungefüllte Zeit; Auszeit.

Aus diesen Beiträgen ließ sich zur Verdeutlichung und Klarstellung des Themas ein Argumentationsstrang aus drei Fäden gewinnen: gemessene Zeit, Umgang mit Zeit, empfundene/erlebte Zeit.

1. Die Beiträge, der Mensch sei „in die Zeit hineingeworfen“ und „Ohne Zeit kann der Mensch nicht leben“ führten zu der Frage nach einem objektiven Maß für Zeit und ob es Zeit vor dem Leben auf Erden gegeben habe. Wenn wir Menschen „in die Zeit geworfen“ sind, muss sie etwas sein, was es unabhängig von unserem Erkennen gab und gibt. Als objektive Grundlage hierfür und für das Messen der Zeit wurde die Drehung der Erde um sich selber und um die Sonne genannt und als allgemeinster Grund für Zeit überhaupt die Bewegung des Universums, sein Alter sowie seine Endlichkeit. Aufgrund der Erdgeschichte ist folglich auch jedes Lebewesen auf Erden der Zeit unterworfen und hat immer ein Alter, was mit der (biologischen) Lebenszeit identisch ist (vgl. „Das Kind ist schon drei Wochen alt.“).

2. Die Zeitmessung bildet die Möglichkeit eines Umgangs mit Zeit und ist so die Grundlage für die Zeiteinteilung in der Arbeits- und Lebenswelt. In der Industriegesellschaft habe sich die Zeiteinteilung durch die Organisation der Arbeit, der Schul- und Ausbildungszeit, der Freizeit und Ruhezeit stark und in zunehmender Geschwindigkeit in zwingende Takte gewandelt, was zur Frage nach den Möglichkeiten selbstbestimmten Umgangs mit der eigenen Zeit führt.

3. „Auszeit“ kann als moderner Terminus für die Besorgung solch selbstbestimmter Zeit verstanden werden, die Gelegenheit zu bewusstem Erleben des Zeitempfindens gibt. Hierzu wurden in den letzten zehn Minuten unserer organisierten Zeit (20 bis 22 Uhr) einige Hinweise gegeben, z. B. auf das Erlebnis, dass die Zeit stillzustehen scheint. Es gehört zum Empfinden von Zeit, so wie das Erleben, dass eine in ihrer 2 gemessenen Dauer gleiche Zeit sehr schnell und sehr langsam vergehen kann. Im Erleben eines scheinbaren Stillstehens der Zeit zu andauernder Gegenwart liegt neben dem Genuss und Erholungswert auch die Möglichkeit zu dem, was „in der Gegenwart leben“ genannt wurde, im „Hier und Jetzt“, und in der Reflexion dessen schließlich liegt die Möglichkeit, zum Begriff oder zur Idee des Endlosen, der Ewigkeit, zu gelangen.

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